Zur Person des Stifters

 
 

Prof. Dr. Robert Pfleger

- geboren am 15. Juli 1906 in Berlin

- ab 1924 Studium der Chemie in Berlin, danach verschiedene Tätigkeiten als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der pharma- zeutischen Industrie sowie in Universitäts- und Forschungsinstituten

- 1938 Selbständigkeit als Arzneimittelchemiker

- 1945 Übersiedlung mit Frau und drei Kindern nach Bamberg, dort Aufbau eines eigenen pharmazeutischen Betriebs

- ab 1958 Außerordentliche Professur an der Universität Erlangen, zeitlebens weitere Forschungstätigkeiten

- Dr. Robert Pfleger stirbt am 19. Oktober 1971 in Bamberg

   
   

Einen Stifter zu würdigen, sind wohl nur Menschen geeignet, die ihm nahe standen, ihn gut kannten. Die folgende Charakterisierung von Prof. Dr. Robert Pfleger stammt von Prof. Dr. Jakob Lehmann anlässlich des 25jährigen Bestehens der Stiftung im Jahr 1999. In diesen Ausführungen wird biografisch herausgeschält, was letztlich den beeindruckenden Dreiklang in der Persönlichkeit des Stifters erzeugte:

  • Erfolgreiches Unternehmertum,
  • produktive Forschung und Innovation,
  • beides begleitet von konkret gelebter sozialer Verantwortung.

Robert Pfleger wurde am 15. Juli 1906 in Berlin geboren, wo er das Gymnasium in Steglitz absolvierte. Sein Vater, gebürtiger Frankfurter, war Dr. jur. Otto Pfleger, seine Mutter Eusebia, geb. Rüger, stammte aus Happertshausen in Unterfranken.

Sein Chemiestudium begann er 1924 an der Universität in Berlin, wo er im Laboratorium für Anorganische Chemie mit seinem Freund Ernst B. Chain, dem späteren Nobelpreisträger, am gleichen Labortisch unter Leitung von Prof. Eduard Marckwald arbeitete.

Das gemeinsame Studium der beiden Freunde machte sie in der Folge zu Schülern einer Reihe berühmter Naturwissenschaftler, den Nobelpreisträgern Prof. Walter Nernst, Prof. Fritz Haber, Prof. Otto Warburg und Prof. Otto Hahn sowie den Professoren Max Bodenstein, Wilhelm Schlenk, Robert Pschorr, Herbert Freundlich und Lise Meitner neben vielen anderen.

Dazu bot das damalige Berlin mit seinen internationalen Kontakten auch auf dem Gebiet der Musik, auf den Bühnen der Theater und in den Museen für die bildenden Künste Veranstaltungen von hohem und höchstem Niveau mit Koryphäen von Weltruf, denen die beiden Studienfreunde häufig persönlich begegneten. Pflegers Freund. Ernst B. Chain schrieb für eine Berliner Abendzeitung Konzertkritiken, so dass es für die beiden, die sich selber als Musiker betätigten (Robert Pfleger an Klavier und Orgel), an fast jedem Abend galt, in der Philharmonie, im Beethovensaal, im Glütnersaal, in der Singakademie und an vielen anderen Orten einer Aufführung beizuwohnen. „Wir waren“, meinte später Prof. Chain, „an außerordentlich hohe Standards gewöhnt ... Wir waren in ihnen erzogen und wir haben sie in uns getragen, wohin das Schicksal uns auch verschlug“.

Doch bereits am 30. Januar 1933 verabschiedete sich der Freund Ernst von Mutter und Schwester, die er nie mehr sehen sollte, in die Emigration nach England. Erst nach 17 Jahren war es den Freunden vergönnt, einander wieder zu begegnen.

Prof. Chain versuchte in seiner Gedächtnisrede aus dem Jahr 1975 im Kaisersaal der Neuen Residenz zu Bamberg, den lebenslangen Freund aus einer lebendig gebliebenen Erinnerung zu porträtieren. Er begann mit seinem „Gesichtsausdruck, in dem sich seit seiner Jugend bis in die letzten Jahre immer Ausgeglichenheit, ruhige Gelassenheit, unverfälschte Echtheit, Ehrlichkeit, Offenheit und Verlässlichkeit aussprachen, der aber auch eine seltene Edelkeit des Charakters und vor allem eine große Güte ausstrahlte, jedoch auch ernst und nachdenklich sein und schnell in einen Ausdruck energischer Entschlussfassung umschlagen konnte, dessen scharfe kluge Augen eine komplexe Situation in wenigen Sekunden analysieren, erfassen und richtig beurteilen konnten, beim Schachspielen sowie beim Geschäft und bei der Beurteilung von Persönlichkeiten.“ Und er verwies auf Pflegers „geschickte, behände Handbewegungen, seine Gesten, seinen straffen zielbewussten Gang – flink und athletisch in der Jugend, in den späteren Jahren etwas schwerer und langsamer, aber nicht weniger zielbewusst...“. Schließlich ging der Freund auf Pflegers „sympathische Stimme mit seinem breiten, unverkennbaren Berliner Dialekt“ ein „mit all den zahllosen humorvollen Berliner Glossen, die in seine Sprache eng eingeflochten waren und eigentlich nur dem geborenen Berliner richtig verständlich und genießbar sein können“.

Robert Pfleger promovierte nach Dissertations-Arbeiten in den Jahren 1927/28 am Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie unter Prof. Otto Hahn und dem Zellulosechemiker Prof. Heß am 5. März 1929 mit einer Arbeit auf dem Gebiet der Zuckerchemie zum Dr. phil. bei Prof. Fritz Micheel, einem der führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet.

Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn, die sich aus der bei ihm angelegten „geradezu idealen Synthese von Wissenschaft und Praxis“ entwickelte - sie blieb getreulich befolgte Richtschnur seines Schaffens bis zu seinem Lebensende -, war Dr. Robert Pfleger zwei Jahre als wissenschaftlicher Assistent am Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie in Berlin tätig. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter kam er danach zu der bekannten pharmazeutischen Firma Gehe & Co. AG in Dresden. Wieder zurück in Berlin wurde er Betriebsleiter und Leiter der wissenschaftlichen Abteilung bei der Firma Dr. Oehren & Co. Gleichzeitig war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Chemischen Institut der Charité (Dir. Prof. Peter Rona) sowie am Pharmakologischen Institut der Berliner Universität unter Prof. Wolfgang Heubner. Von 1937 bis 1938 betätigte sich Dr. Robert Pfleger als Chemiker bei der Firma Krienitz & Co. in Berlin.

Bereits 1938 machte sich Dr. Robert Pfleger als Arzneimittelchemiker selbständig. Diese Tätigkeit wurde allerdings durch Dienstverpflichtung in der Wehrmacht und den Krieg immer wieder unterbrochen.

Gegen Ende des Krieges flüchtete er mit seiner Familie, d.h. seiner Frau Elisabeth, geb. Struthmann aus Heiligenstadt im Eichsfeld, der Tochter Gisela und den Söhnen Horst und Helmut, nach Bamberg. Hier begann er mit dem Aufbau eines eigenen pharmazeutischen Betriebes. Eine erste Unterkunft zur Miete fand sich in der Ludwigstraße 15 für Verwaltung und Forschungslaboratorium und in der Klarissenkaserne als Produktionsstätte.

Ab 1955 folgten eigene Betriebsstätten, so zunächst in Hallstadt, Emil-Kemmer-Straße 33, als Produktionsstätte und ab 1956 hier auch für die Verwaltung. Die Kontroll- und Forschungslaboratorien waren noch im Hochzeitshaus am Kranen in Bamberg untergebracht; sie kamen 1959 ebenfalls nach Hallstadt. 1965 entstand in Berlin-Zehlendorf, Potsdamer Straße 18, eine zweite Produktionsstätte, 1973 dann eine neue Produktionsstätte in Hallstadt, Dr.-Robert-Pfleger-Straße 12.

1988 wurden die Gebäude für Verwaltung, Forschungslaboratorien und Laboratorien für Qualitätssicherung erweitert.

Diese Daten sprechen ihre eigene Sprache und künden überzeugend von dem frühen und anhaltenden Erfolg, der den Unternehmen Dr. Robert Pflegers beschieden war. Er verdankt sie in erster Linie seiner „unerschöpflichen Energie und Arbeitskraft“, um noch einmal den Freund Prof. Chain zu zitieren, „einem fundierten, weiten chemischen und pharmazeutischen Fachwissen ..., seiner kaufmännischen Begabung, die seiner wissenschaftlichen gleich war“.

Wesentlich für sein erfolgreiches Wirken waren seine außerordentliche Menschenkenntnis, „sein Verständnis für die menschlichen Schwächen und sein Mitgefühl für seine Mitmenschen“. So ist es nicht verwunderlich, dass er von Anfang an einen „äußerst fähigen und ihm ergebenen Stab von engen Mitarbeitern“ fand und behielt, „die seine beruflichen und menschlichen Qualitäten kannten und schätzten und ihm folgten... Die Harmonie, die er in der Firma auf jedem Niveau schuf, in der Leitung sowie bei den Arbeitern, war einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg seines Unternehmens“.

Dabei war es eines seiner wichtigsten Anliegen, die Mitarbeiter zur Eigeninitiative und zur Eigenverantwortung zu bewegen und wohl auch zu befähigen. Seine klug vorausschauende Unternehmerpolitik mit sorgfältiger und konsequenter Orientierung am Markt sowie mit Offenheit für Weiterentwicklung und Fortschritt vermochten zu überzeugen. Die von ihm angelegten Maßstäbe für Qualität auf hohem Niveau und entsprechende Arzneimittelherstellung nach internationalen Standards boten Anregungen und Motivation für bildungs- und leistungsfähige Mitarbeiter.

Hinzu kam noch ein Zweifaches bei diesem vorbildhaften und entsprechend verehrten „Vorgesetzten“:

Dr. Robert Pfleger, seit dem Wintersemester 1945/46 Lehrbeauftragter an der Universität Erlangen und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Bamberg, 1947 Kommissarischer Direktor des Instituts für Angewandte Chemie der Universität Erlangen, seit dem 9. Juni 1947 Privatdozent der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen und seit dem 17. Juli 1958 außerplanmäßiger Professor an der Universität Erlangen, blieb zeitlebens der wissenschaftlichen Forschung verbunden. Er betreute mehr als 50 Diplomanden und Doktoranden bei ihrer Arbeit; sie besetzten später wichtige Stellen in der deutschen pharmazeutischen Industrie und Forschung. Er brachte zahlreiche Patente ein und legte immer wieder wissenschaftliche Publikationen vor. Kein Wunder, wenn er auf ein eigenes gut ausgestattetes Forschungslabor in seiner Firma nicht verzichten mochte.

Das andere ist die Tatsache, dass er gleichsam die Überzeugung des amerikanischen Philosophen unserer Tage, Richard Rorty, vorweggenommen hat, wenn dieser sagte, dass menschliche Brüderlichkeit kein Hindernis im Wege steht außer unserem eigenen Mangel an Bereitschaft zu Handlungen, die für das Erreichen brüderlicher Verhältnisse nötig sind“.

Dr. Robert Pfleger war bei allem wissenschaftlichen Engagement, bei aller Kreativität und Schaffenskraft bei allem praktischen Geschick im Wirtschaftlichen tief davon überzeugt, dass ein notwendig privates, persönlich verantwortliches Unternehmertum zur Sozialbindung des Eigentums verpflichte. Und er wurde nicht müde, in privater Initiative seine Vorstellungen von einer freien, wirklich sozialen Marktwirtschaft zu verwirklichen und damit neben der Verantwortung für sich selbst und sein Unternehmen auch Anteil zu nehmen an der Verantwortung für das Gemeinwesen und die Gesellschaft, in der wir leben. So war es von der Gründung seines Unternehmens über dessen Auf- und Ausbau, Organisation und Leitung hin zur testamentarischen Einsetzung einer Stiftung ein gerader Weg, der uns staunen und bewundern lässt.

Dass dieser vom Stifter vorgezeichnete Weg weder in der Verwaltung der Stiftung noch im Verständnis der Stiftung als Institution neben ähnlichen anderen im Verlauf der letzten mehr als 35 Jahre geändert werden musste, spricht sowohl für die weise Voraussicht des alles bedenkenden Stifters wie für die überzeugt hingebungsvolle Übereinstimmung seiner leitenden Nachfolger mit ihrem Stiftungsvater. Dass dem so ist, nötigt uns angesichts der zahlreichen und großen Veränderungen in unserem modernen Leben Respekt und hohe Achtung sowie tiefe Dankbarkeit gegenüber Prof. Dr. Robert Pfleger ab.


   
 
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